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4. Dezember 2022

Ethereum ist jetzt umweltfreundlich

Das Mining, also das Schürfen von Kryptowährungen, ist gelinde gesagt ein Energiefresser, die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Dass es dennoch gelingen kann, Digitalgeld deutlich stromsparender herzustellen, zeigt Ether, die nach dem Bitcoin zweitgrößte Kryptowährung der Welt.

1. Warum Krypto-Mining so viele Ressourcen benötigt

Kryptowährungen leben vereinfacht ausgedrückt davon, dass ein Rechner sie „schürft“.

Dieses Rechenverfahren nennt sich Mining, dadurch entstehen neue digitale Münzen, genannt Token.

Nun ist es so, dass Grafikkarten beim Mining ziemlich effizient sind – der Rechenvorgang aber einen wahnsinnig hohen Energieverbrauch bedeutet.

Dazu gesellt sich ein weiteres Problem: die Grafikkarten selbst. Durch die extreme Beanspruchung arbeiten die Grafikkarten schon nach wenigen Monaten deutlich langsamer, nach etwa einem Jahr genügen sie den Ansprüchen dann nicht mehr.

Sie landen auf dem Müll, weswegen das Mining auch im Verruf steht, viel Elektroschrott zu produzieren. Der E-Waste-Fußabdruck einer Kryptowährung ist also gigantisch groß.

2. Ein Stromverbrauch, so hoch wie ein ganzes Land

Dazu kommt der energetische Footprint. Denn für die Transaktion eines einzigen geschürften Tokens auf die Ethereum-Blockchain (das ist die Verwaltung hinter der Digitalwährung Ether) waren nach WDR-Recherchen 214 Kilowattstunden Strom nötig.

Das entspricht der gleichen Menge an Energie, die ein durchschnittlicher Haushalt verbraucht – allerdings in einer Woche.

Experten haben ausgerechnet, dass das Ether-Mining zuletzt knapp 85 Terawattstunden Strom pro Jahr gefressen hat, so viel wie ganz Finnland im gleichen Zeitraum.

Damit hat die Ethereum-Blockchain einen CO2-Ausstoß von mehr als 47 Millionen Tonnen verursacht, was der Jahresmenge eines Landes wie Norwegen entspricht.

Die verursachten Klimaschäden, die Zahlen belegen es, sind also riesig. Doch das gehört nun der Vergangenheit an: Die Tokens werden nach einem neuen Verfahren produziert, das im Vergleich zum gewohnten Mining eine unfassbare Menge Strom und CO2 einspart.

3. Ethereum: die Abkehr vom althergebrachten Mining

Zwar ist noch lange nicht die ganze Branche bereit, auf das Mining nach der traditionellen Proof-of-Work-Methode (PoW) zu verzichten, um neue Tokens zu generieren.

Doch Ethereum macht zumindest einmal den Anfang. Durch das seit August genutzte Proof-of-Stake-Verfahren (PoS) – ein aktualisierter Algorithmus – benötigt die Blockchain für das Generieren einer virtuellen Münze deutlich weniger Rechenleistung.

PoS ist ein auf Konsens basierender, energieeffizienter Algorithmus, bei dem die Blockvalidierung an den Coin-Anteil gekoppelt ist und nicht an die Rechenleistung, wie das bei PoW der Fall ist.

Das erlaubt die Aufrechterhaltung der Blockchain, ohne eine Grafikkarte nutzen zu müssen. Im Prinzip hat das mit Mining im traditionellen Sinn nichts mehr zu tun.

90 Prozent weniger Energieverbrauch

Ethereum selbst gibt an, dass der PoS-Algorithmus im Vergleich zu PoW 99 Prozent weniger Energie verbraucht. Neutrale Beobachter halten das für leicht übertrieben.

Doch auch sie attestieren Ethereum, mit der neuen Methodik riesige Mengen an Strom einzusparen. Die Rede ist von einer Senkung des Energieverbrauchs um 90 Prozent; das ist immer noch eine stolze Zahl.

Für die Netzwerk-Teilnehmer bedeutet diese Umstellung aus technischer Sicht nichts, sie können weiterhin an allen schon vorher genutzten NFTs, Apps, Wallets und Verträgen festhalten.

Bitcoin hält am Mining fest

Wer von Kryptowährungen spricht, denkt fast immer zuerst an das größte und populärste digitale Geld: den Bitcoin.

Diese Währung ist sogar noch energieintensiver, als Ether es vor der Umstellung war; Beobachter gehen von einem jährlichen Stromverbrauch von etwa 89 Terawattstunden aus.

Das ist in etwa jene Energiemenge, die ganz Schweden in 365 Tagen benötigt. Ein Kernproblem besteht darin, dass geschätzte 75 Prozent aller Bitcoins in China gemint werden, und zwar mit Kohlestrom, der aus der Inneren Mongolei stammt. Schon 2017 produzierte ein geschürfter Bitcoin in China acht bis 13 Tonnen (!) Kohlenstoffdioxid.

Dass der Verbrauch an Grafikkarten ebenfalls enorm ist, kann nicht wirklich überraschen.

Die Energie- und Umweltbilanz, die Bitcoin aufweist, ist also noch verheerender als zuvor bei Ether. Doch während Greenpeace und andere Umweltverbände Bitcoin auffordern, ebenfalls einen anderen Programmcode zu nutzen, beharren die Betreiber weiterhin auf dem PoW-Mining.

Fazit

Der Ansatz, den Ethereum im Hinblick auf Mining seit dem Sommer nutzt, ist ohne jeden Zweifel ein echter Fortschritt. Und man kann dieser Blockchain nicht vorwerfen, dass ihr Beitrag nicht ausreicht, um das gesamte Energieproblem zu beheben, das beim Schürfen digitaler Währungen am Rechner entstanden ist.

Einer muss schließlich den Anfang machen. Dass so – quasi als Folgeerscheinung – auch noch der durch die verheizten Grafikkarten riesige Berg an Elektroschrott abgetragen werden kann, sollte man ebenfalls berücksichtigen.

Und doch bleibt ein schaler Beigeschmack. Solange Bitcoin und andere große digitale Währungen noch auf Mining durch Proof of Work setzen, können wir nicht von einer branchenweiten Nachhaltigkeitsstrategie sprechen.

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